Unvollständige Äquivalenz von Begriffen

Falls sich ein Begriff aus einer Sprache mit einem anderen Begriff aus einer anderen Sprache nur geringfügig deckt oder in der anderen Sprache noch nicht existiert, gibt Arntz / Picht (1995:163) drei Verfahren der Übersetzung an:

1. Entlehnung oder Lehnübersetzung

Die Benennung wird übernommen, z.B. Cowboy, oder sie wird wörtlich übersetzt, z.B. Kontaktlinsen (von engl. contact lenses)

2. Prägen einer Benennung in der Zielsprache

Arntz / Picht (1995:164) gibt als Beispiel Atomwaffensperrvertrag für nonproliferation treaty an.

3. Schaffung eines Erklärungsäquivalents

Falls ein Begriff einer Sprache in einer anderen Sprache nicht vorhanden ist, kann er durch eine erklärende Umschreibung wiedergegeben werden. Fehlende Begriffe können Kulturspezifika sein, wie dies bei Bildungssystemen der Fall ist. So wird im Wörterbuch des Deutschen Akademischen Austauschdienstes „Begriffe aus Wissenschaft und Schule” die Benennung für den deutschen Begriff „Fachhochschule” im Französischen übernommen und mit der Erklärung „établissement d’enseignement supérieur à orientation pratique, assurant la formation supérieure en quatre ans dans les domaines d’industrie, commerce, travail, social etc.” versehen.

Äquivalenz von Begriffen

Bevor ein Begriff aus einem System mit einem Begriff aus einem anderen System zusammengeführt wird, ihm gleichgesetzt wird, ist es unbedingt notwendig zu prüfen, ob sie begrifflich übereinstimmen.[1] Diese begriffliche Übereinstimmung wird in der Terminologielehre als Äquivalenz bezeichnet.

Von einer vollständigen begrifflichen Äquivalenz spricht man, wenn zwei Begriffe in allen Begriffsmerkmalen übereinstimmen. Häufig kommt es jedoch vor, dass Begriffe in einem Teil ihrer Merkmale übereinstimmen und sich in anderen Merkmalen unterscheiden (Überschneidung), oder aber dass ein Begriff weiter gefasst ist als ein anderer und ihn einschließt (Inklusion). Wenn zwei Begriffe keinerlei gemeinsame Begriffsmerkmale besitzen, liegt keine Äquivalenz vor. Diese vier Fälle werden in Abb. 2 verdeutlicht.

Fälle von begrifflicher Äquivalenz

Abb. 2: Fälle von begrifflicher Äquivalenz (vgl. Arntz / Picht 1995:160)

Insbesondere beim letzten Fall besteht die Gefahr der vorschnellen Gleichsetzung zweier Begriffe aufgrund der Ähnlichkeit ihrer Benennungen. Sie können sich als sogenannte „falsche Freunde” erweisen. So ist die Gleichsetzung académicien (fr) mit Akademiker (de) falsch, da der erstere ein Mitglied einer Akademie, wie z.B. der Académie Française, ist und der letztere im Allgemeinen eine Person mit abgeschlossener Hochschulausbildung.




[1] Arntz / Picht 1995:155